Auszug aus dem Heimatgruß 2020/21

In den frühen 1900er-Jahren wurden in vielen Gemeinden für die Bevölkerung „Volksbäder“ geschaffen.
Als im Jahr 1914 der Kindergarten eingeweiht wurde, bekam auch Auenheim ein „Volksbad“. Es wurde im hinteren Teil des Gebäudes mit einem separaten Zugang eingerichtet. Für das Dorf war das damals fast eine Sensation. Zwei Dusch- und zwei Badezellen haben über 60 Jahre lang der Hygiene und dem Wohlergehen der Menschen gedient.
Viele Angehörige der älteren Generation erinnern sich an das damals nicht alltägliche Vergnügen, ein Bad in einer der mächtigen frei stehenden Wannen zu nehmen. In der Badekabine gab es lediglich noch einen Holzrost auf dem Boden vor der Wanne, einen Stuhl und einen Kleiderhaken. Das Volksbad war nur am Samstagnachmittag geöffnet. Mit Seife und Handtuch ausgestattet wartete man im Vorraum, bis man an der Reihe war. Damit der Stau der Wartenden nicht zu lange wurde, mussten Kinder auch mal zu zweit oder zu dritt in die Wanne steigen.

Manchmal musste man angesichts verbliebener grauer Ränder am Wannenrand Verständnis dafür haben, dass vor dem Benutzerwechsel nicht genügend Zeit zum gründlichen Putzen zur Verfügung gestanden hatte. Und wenn man zu lange und zu ausgiebig badete, wurde man auch mal mit einem Klopfzeichen des Bademeisters daran erinnert, dass die zustehende Badezeit abgelaufen war.
Der letzte Auenheimer Bademeister war Michael Gonsert, der von seiner Frau unterstützt wurde. Als es dann in immer mehr Häusern moderne Badezimmer gab, war die Zeit des Gemeindebades zu Beginn der 1970er Jahre vorbei.
Ein Raum des Gemeindebades ist zum Glück weitgehend im Originalzustand erhalten geblieben. 1998 hatte der Heimatbund diesen renoviert und wieder in den ursprünglichen Zustand versetzt. Auch beim gerade beendeten Umbau des Kindergartens haben umsichtige Bauleiter diesen Baderaum als historischen Erinnerungsort belassen.
Wenn man das Kindergartengebäude durch einen der Seiteneingänge betritt, kann man durch eine Glastür einen Blick hineinwerfen. Dort sind auch noch andere Gegenstände zum Thema Baden aus dem Fundus des Heimatbundes ausgestellt.
Wie man sonst noch den Körper reinigte oder badete
Dorfbewohner pflegten notgedrungen noch andere Formen der Körperhygiene. Besonders in der wärmeren Jahreszeit nutzte man einfach den Brunnentrog im Hof oder scheute sich auch nicht, sich an einem freien Gewässer einzuseifen.
Das gute alte Stück auf dem Bild unten entdeckten wir irgendwo in einem Hausgarten. Es ist eine Zinkbadewanne, wie es sie in vielen Häusern gab, als ein spezielles Badezimmer noch nicht zum Wohnungsstandard gehörte. Sie wurde meist am Samstag aus irgendeiner Abstellecke in die Küche geholt und mit Badewasser gefüllt, das man vorher aus dem Handschöpfbrunnen gepumpt und auf der Herdplatte erhitzt hatte.
Oft nahmen mehrere Familienmitglieder nacheinander in der gleichen Wannenfüllung ihr Reinigungsbad, wobei natürlich der individuelle „körperliche Zustand“ die Reihenfolge bestimmte. Das Badewasser verwendete man zumeist wieder zum Pflanzengießen.



